Wie erkennt man eine gute Übersetzung?

Unbenannt

Google Translate kann vielleicht korrekt übersetzen, aber nicht mitdenken, wenn der Ausgangstext schrägt wirkt.

Viele denken, Übersetzung sei reine Gefühlssache. Es gibt aber einige Punkte, an denen man saubere Arbeit erkennt. Wichtig ist nur stilistisches Wissen, das über den Duden hinausgeht, sondern auch Geistesgegenwart.

Anders als Google Translate kann ein guter Übersetzer vom Wortlaut abweichen und es trotzdem besser sagen. Solche Leute sind leider rar, weshalb die Furcht vor der maschinellen Bedrohung weiter berechtigt ist. Hier sind einige rein formale Zeichen, an denen Kunden aber auch Kollegen eine saubere Übersetzung erkennen können:

Einheitlichkeit

Konsistenz ist ein guter Schnelltest für sauberes Arbeiten, wenn auch nicht für schriftstellerische Fähigkeiten. Wenn offensichtlich keine Rechtschreibkontrolle gemacht wurde, wenn Anführungszeichen und Bindestriche kreuz und quer in allen Formaten auftauchen, ist der Text noch nicht fertig. Oft werden auch Kursivschrift und Anführungszeichen uneinheitlich für die Hervorhebung von Werkstiteln o.ä. verwendet.

Lange Sätze

Wenn dem Verfasser die Feder ausgerutscht ist, ist das für den Übersetzer noch lange kein Freibrief. Schachtelsätze gehören zwar zu Deutschland, aber nicht ins digitale Zeitalter. Einen wildgewordenen Satz zu bändigen kostet nur wenige Tastaturanschläge. Selbst in juristischen Texten gilt: Übersetzte Sätze, die drei oder mehr Zeilen lang sind, zeigen schwaches Textverständnis.

Kommata

Kein Satz braucht mehr als zwei Kommas. Partizipien oder Komposita machen Relativsätze überflüssig und klingen noch dazu viel knackiger. (Diesen Trick nutzen z.B. Boulevardzeitungen.)

Beispiel 1

  • Relativsatz: „Die Kuh, die lacht
  • Partizip: „die lachende Kuh“
  • Kompositum: „die Kicherkuh“

Besonders das letzte Beispiel kann in einem spielerischen Text die lustige Kuh viel bildhafter vermitteln.

Beispiel 2

  • Relativsatz: „Wir setzen uns dafür ein, dass alle Menschen Zugang zu ihren Rechten bekommen.“
  • Kompositum: „Wir setzen uns für Menschenrechte ein.“

Zahlreiche Kommata und Erörterungen sind Zeichen für Unsicherheit und mangelnde Sprachökonomie.

Kollokationen

Häufige Kombinationen von Wörtern, z.B. „ein Gesetz verabschieden“ oder „nach dem Gesetz“ (nicht „unter dem Gesetz“, das wäre ein Anglizismus). Im Duden findet man Kollokationen nur begrenzt. Es gibt aber sog. Korpus‑Suchmaschinen wie DWDS.

Beispiel

„wir beschreiten eine neue Welt“

Hier ist die Kollokation „einen Weg beschreiten“ mit reingerutscht. Korrekt hieße es „wir betreten eine neue Welt“.

Wer weiß sowas schon auswendig? Außerdem ändert sich die Sprache. In den meisten Fällen aber wird der korrekte Begriff mehr Treffer auf Google liefern.

Auch geübte Übersetzer sollten sich nicht auf ihren Instinkt verlassen, sondern Kollokationen recherchieren. Schräge Wortkombinationen entstehen vor allem durch wortwörtliches Übersetzen und schlechte Recherche.

Tautologie

Unnötige Worthäufung. Berüchtigt ist die „Servicedienstleistung“ (Englisch: „service service service“).

Autoren verwenden auch Komposita wie „Gruppenkontexte“ als sprachliche Hecke, um möglichst viele Bedeutungen abzudecken. Sie sind somit eine Form der Hyperkorrektur.

Das gilt auch für nominalisierte Verben („von Bedeutung sein“ statt „bedeuten“) und Präpositionen („im Rahmen von“ statt „während“) und offiziöse Verben („begutachten“ statt „anschauen“).

Sprichwörter wie „dumm und dämlich“ sind vielleicht manchmal sinnvolle Stilmittel, aber ein guter Übersetzer sollte für seine Zielgruppe angebrachte Stilmittel, wichtige Informationen und Geschwätz auseinanderhalten können.

Beispiel

Wer mitdenkt schafft oft erstaunlich knackige Sätze:

„Nicht Alter oder Tradition der Kunstform sind von Bedeutung, sondern der Spaß und die Gefühle, die sie zu vermitteln vermag.“

„Bei der Kunst geht es nicht um Traditionen, sondern um Freude.“

Generell gilt: Das Kürzen darf nicht zu kurz kommen. Gewissenhafte Übersetzer legen zwischen Übersetzung und Korrektur noch ein Lektorat ein, das nur dazu dient, den Text kompakter zu machen.

Unsere Ausgangstexte sind nicht immer Meisterwerke. Wenn wir schon inhaltlich nicht viel Spielraum haben, so sollte wenigstens ein stilistisch und formal durchdachter Zieltext rauskommen.

Kunden können Übersetzer z.B. vor dem Auftrag nach ihrer Übersetzungsstrategie fragen. Wer hierauf eine überzeugende Antwort geben kann, hat sich zumindest schonmal darüber Gedanken gemacht.

Bei weiteren Fragen, lass einen Kommentar da, oder schreib mir.

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